Dialog Stadt Voerde (Niederrhein) Verkehr und Mobilität

Dokumentation zum Bürgerforum am 26.03.2026

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  • Zeitraum 20.04.2026 bis 30.06.2026
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Am 26. Mai 2026 stellte das Planungsteam von spiekermann ingenieure (SI) den aktuellen Bearbeitungsstand zum Integrierten Mobilitätskonzept der Stadt Voerde im kleinen Sitzungssaal des Rathauses vor. Ziel war es, mit den Bürgerinnen und Bürgern in Voerde über die angestrebten Ziele und die zu deren Erreichung entwickelten Maßnahmen in Austausch zu treten, um letztlich die Hinweise der Bürgerinnen und Bürgern in die konkrete Maßnahmenentwicklung einfließen zu lassen. Nur durch die Einbindung möglichst vieler Akteure und der Bürgerschaft können vielfältige Mobilitätsbedürfnisse berücksichtigt werden und eine hohe Akzeptanz des Mobilitätskonzepts bei allen Beteiligten zu erwirkt werden.

Die Anwesenden wurden vom Vorsitzenden des Ausschusses für Umwelt- und Klimaschutz Herrn Neßbach begrüßt und angeregt, Ihre Chance als Bürger bzw. Bürgerin heute noch einmal zu nutzen und sich konstruktiv in den Austausch zu den Inhalten des Bürgerforums einzubringen, um an einer zukunftsgerichteten Mobilität in Voerde mitzuwirken. Nach der Begrüßung stellte der Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung und Baurecht, Herr Müser, den aktuellen Stand im Projektzeitplan zum Mobilitätskonzept dar und hob den hohen Stellenwert der Bürgerbeteiligung im Rahmen der Erstellung des Mobilitätskonzepts hervor.

Anschließend wurde durch das Planungsteam anhand einer Präsentation zunächst ein kompakter Überblick zu den Aufgaben und Zielen des Mobilitätskonzepts, zum aktuellen Projektfahrplan und zu den schon stattgefundenen Beteiligungsformen gegeben. Als thematische Schwerpunkte des Mobilitätskonzepts wurden die Stärkung des Umweltverbunds (Öffentlicher Personennahverkehr, Rad- und Fußverkehr), die Förderung nachhaltiger Lösungen (u. a. alternative Antriebstechnologien), die Reduzierung Umweltbelastung durch innovative, nachhaltige Maßnahmen und die Optimierung der Verkehrssicherheit benannt.

Anschließend wurden wichtige Erkenntnisse zum Mobilitätsverhalten der Voerder Bürgerschaft vorgestellt, die aus der im ersten Halbjahr 2025 stattgefundenen Haushaltsbefragung gewonnen wurden. Aktuell werden 53 % der Wege mit dem Pkw zurückgelegt, während 29 % aller Wege zu Fuß, 11 % mit dem Fahrrad und 7 % mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) durchgeführt werden.

Daraus wurden realistische Zielwertansätze für das zukünftige Verkehrsgeschehen in Voerde abgeleitet. Bis zum Jahr 2040 wird angestrebt, die mit dem motorisierten Individualverkehr (MIV) zurückgelegten Wege um 8 %-Punkte (auf einen Wegeanteil von 45 %) zu senken – allein im Hinblick auf die derzeit mit dem Pkw zurücklegte Anzahl an Wegen bedeutet dies eine Reduzierung um 15 %, indem diese Verkehrsnachfrage auf Verkehrsträger des Umweltverbunds verlagert wird.

Der Hauptteil des zu verlagernden Pkw-Verkehrs, nämlich 6,5 %-Punkte, soll durch die Nahmobilität, also den Fuß- und Radverkehr übernommen werden. Dem Fußverkehr kommt entgegen, dass Voerde heute schon in großen Teilen als „Stadt der kurzen Wege“ mit hohem Fußgängeranteil bezeichnet werden kann. Eine Verlagerung von 3 %-Punkten der Pkw-Wege auf den Fußgängerverkehr wäre gleichbedeutend mit einer Zunahme der Fußgängerwege um 10 %. Die höchsten Steigerungspotenziale werden beim Radverkehr gesehen: Aufgrund der topographischen Gunstbedingungen am Niederrhein, der vergleichsweise moderaten (Invest- und Folge-)Kosten und der hohen Reichweiten (insbesondere unter Berücksichtigung der E-Mobilität) kann der Radverkehr – unter der Voraussetzung substanzieller Verbesserung seiner (infrastrukturellen) Angebotsbedingungen – künftig 3,5 %-Punkte des heutigen Pkw-Verkehrs übernehmen, was eine Steigerung des Radverkehrsaufkommens gegenüber heute um fast ein Drittel bedeutet.

Zur Zielerreichung wird ein ausgewogenes Maßnahmenpotpourri entwickelt, das alle Module umfasst: Nahmobilität, Kfz-Verkehr (fließend und ruhend), ÖPNV, vernetzte und geteilte Mobilität und Mobilitätsmanagement. Besonderer Fokus liegt auf einer einladenden, deutlich sichtbaren Infrastruktur für die Nahmobilität (Fuß- und Radverkehr). Durch die integrierte Betrachtungsweise aller Verkehrsträger wird eine Gesamtstrategie entwickelt, die die Umsetzung einer nachhaltigen Mobilität in der Stadt Voerde erlaubt.

Im Anschluss an die einführende Präsentation machten die Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit dem Planungsteam einen Rundgang zu den Marktständen, an denen Maßnahmen zu den verschiedenen Verkehrsträgern diskutiert wurden. Seitens der Verwaltung wurde der Austausch durch den Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Baurecht Herrn Müser, den Mobilitätsmanager Herrn Wilhelm und den Radverkehrsbeauftragten Herrn Becker unterstützt. Aus dem Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz nahm neben Herrn Neßbach auch sein erster Stellvertreter Herr Stemmer an den Diskussionen teil.

Zum Fußverkehr wurde dargelegt, dass die Stadt Voerde einerseits bereits viele gute Maßnahmen umgesetzt hat (wie bspw. verschiedene Lösungen zu Querungshilfen), dass andererseits jedoch auch noch weiterer Optimierungsbedarf besteht. Hierzu wurden auf den Plakaten an den Marktständen die Anlage neuer Gehwege und verkehrsberuhigter Bereiche sowie neuer Querungshilfen dargestellt. Diesbezüglicher Handlungsbedarf an konkreten Orten wurde hinsichtlich der Umsetzbarkeit und Notwendigkeit, des zu betreibenden finanziellen und personellen Aufwands und des zu erzielenden Nutzens diskutiert. So wurde z. B. für die Frankfurter Straße (L 396) am AWO Seniorenzentrum darauf hingewiesen, dass kaum Querungsbedarf besteht, was auch für die Weseler Straße (L 4) an der Astrid-Lindgren-Schule gelte. In Höhe der Spellener Kirche hingegen bestehe hoher Querungsverkehr über die Weseler Straße und somit auch der Bedarf nach einer Querungshilfe. Bei den Vorschlägen zur Neugestaltung von Straßenraum wurde darauf hingewiesen, dass es in Voerde noch einige Straßen gibt, die trotz der schon Jahrzehnte alten Randbebauung immer noch als Baustraßen ausgewiesen sind (wie bspw. die Hahnenstraße).

Auch beim Radverkehr ist die Sicherung von Querungsstellen ein relevantes Thema. Eine Roteinfärbung von Radwegefurten an frequentierten Stellen und insbesondere bei Zweirichtungsführung wird von den Anwesenden begrüßt. Gleichwohl erweist sich die Umsetzung an Bundes- und Landesstraßen als schwierig, da Straßen.NRW als zuständiger Straßenbaulastträger zustimmen muss. Zudem wird von den Anwesenden auf den Umstand hingewiesen, dass die meisten Radwege an lichtsignalgeregelten Knotenpunkten noch eine gemeinsame Signalisierung mit dem Fußverkehr haben, sodass die Grünzeiten für die Radfahrenden wegen der langen Räumzeiten der Zufußgehenden nur kurz sind; eine unabhängige Schaltung biete die Chance, die Reisezeit des Radverkehrs spürbar zu reduzieren. Bei den insbesondere hiervon betroffenen klassifizierten Straßen habe Straßen.NRW solche Maßnahmen bislang abgelehnt, ebenso wie die im Radverkehrskonzept empfohlene Querungshilfe über die B 8 im Bereich des Bruckhausener Wegs. Hinsichtlich der im Radverkehrskonzept benannten potenziellen Fahrradstraßen wird seitens der Verwaltung darauf hingewiesen, dass Fahrradstraßen nur umgesetzt werden sollen, wenn die Standards gemäß Richtlinien und Empfehlungen für die Anlage von Fahrradstraßen realisierbar sind; seitens der Bürgerschaft werden auch Kompromisslösungen begrüßt, wie sie in anderen Städten (Bsp. Aachen) umgesetzt werden, um eine Realisierung zu ermöglichen und somit sichtbare Radverkehrsförderung zu betreiben. Zudem wurde der Wunsch nach (auch für Lastenräder) durchgehend ausreichenden Breiten von Radverkehrsanlagen auch an Umlaufgittern und Modalen Filtern geäußert. Auch die Wirkung von sicheren Abstellanlagen auf die Verkehrsmittelwahl wurde besprochen; diese können effektiv zur vermehrten Fahrradnutzung beitragen.

Zum fließenden Kfz-Verkehr wurden Maßnahmen zum Unterbinden von Durchgangsverkehr, zu Geschwindigkeitsanpassungen, Straßenraumgestaltung, Knotenpunkten / Signaltechnik und zur Lenkung des Wirtschaftsverkehrs besprochen. Gegenwärtig steht ein leistungsfähiges Netz für den Kfz-Verkehr zur Verfügung, das hierarchisch gegliedert ist in ein übergeordnetes Netz, das die Verbindungsfunktion übernimmt und adäquates Vorankommen garantiert, und ein ergänzendes Kommunalstraßennetz, dessen Straßen abhängig von der Funktion und den Randnutzungen gestaltet sind. An wenigen Stellen werden seitens des Planungsteams Vorschläge zur Optimierung gemacht. Auch hier wird durch die Anwesenden mitgeteilt, dass in der Vergangenheit vorgeschlagene Maßnahmen an klassifizierten Straßen durch Straßen.NRW abgelehnt wurden, so z. B. auch die vom Planungsteam empfohlene Geschwindigkeitsreduzierung an der Rahmstraße (L 4) in Höhe Am Eichelkamp. Eine Aufnahme in das Mobilitätskonzept solle dennoch erfolgen, um dem Erfordernis Nachdruck zu verleihen. Hier könnten eventuell auch die 2024 erfolgte Änderung der Straßenverkehrsordnung (StVO, 2024) und der anschließenden Anpassung der entsprechenden Verwaltungsvorschrift (VwV-StVO, 2025) helfen, dass der Maßnahme gefolgt wird. Aber es bleibt leider weiterhin dabei, dass die Stadt Voerde zwar die örtlich zuständige Straßenverkehrsbehörde für das Stadtgebiet ist und sowohl für Gemeindestraßen als auch für Bundes-, Landes- und Kreisstraßen verkehrsrechtliche Anordnungen trifft, aber diese Anordnungen im Vorfeld von den jeweiligen Straßenbaulastträgern mitgetragen werden müssen, sodass eine entsprechende Abhängigkeit, beispielsweise gegenüber Straßen.NRW, besteht. Vorschläge zur Gestaltung von Ortseingängen als geschwindigkeitsdämpfende Maßnahme werden von den Anwesenden ebenso begrüßt wie die Vorschläge zur Einrichtung von T30-Zonen und verkehrsberuhigten Bereichen, so wie es bereits in diversen Wohngebieten in Voerde umgesetzt wurde. Hierzu werden von den Teilnehmenden weitere Örtlichkeiten ergänzt. Dem Bedarf einer Lichtsignalregelung an der Hindenburgstraße (B 8) / Schwanenstraße zur Verkehrssicherung wird von den Anwesenden ausdrücklich bestätigt.

Zum ruhenden Kfz-Verkehr wurde vom Planungsteam dargelegt, dass in Voerde durch die öffentlichen und halböffentlichen Parkplätze in den Zentren ausreichende Stellplatz-Kapazitäten bereitstehen, das Beschilderungssystem aber aktualisiert werden sollte. Engpässe gibt es in einigen Wohnquartieren. Hierzu wurden Möglichkeiten zur Reduzierung des Parkdrucks zur Diskussion gestellt. Hinsichtlich eines möglichen Ausweichparkplatzes an Wochenenden in Götterswickerhamm im Rahmen der Entwicklung des ehemaligen Kraftwerkgeländes wurde erwähnt, dass es auch einen weitgehend ungenutzten Parkplatz hinter der Kirche gebe. Um den verbleibenden Kfz-Verkehr effizient abwickeln zu können, ist das Vorantreiben der Antriebswende ein wichtiger Schritt. Ein Baustein dazu ist die Bereitstellung ausreichender, öffentlich zugänglicher Lademöglichkeiten im Bereich des ruhenden Verkehrs.

Die Maßnahmen im öffentlichen Personennahverkehr umfassen insbesondere die Maßnahmen aus dem Nahverkehrsplan, die auf neue Direktverbindungen und attraktive Anschlüsse setzen und sich mit den von den Bürgerinnen und Bürgern herangetragenen Wünschen aus der Online-Beteiligung decken. Zudem werden Bürgerbusangebote und spezielle Angebote für Senioren in unterversorgten Bereichen, On-Demand-Angebote und der barrierefreie Ausbau der Haltestellen thematisiert. Langfristig ist auch der Einsatz von autonom fahrenden Bussen anzustreben.

Zur geteilten und vernetzten Mobilität wurden die Themen Bike-Sharing / Verleihstationen (Niederrheinrad), Mobilstationen und Bike-und-Ride-Anlagen angesprochen. Hier wurde seitens des Planungsteams noch einmal auf die Relevanz sicherer und komfortabler Abstellanlagen an Übergängen zum ÖPNV hingewiesen. Dass solche Angebote gut angenommen werden, war während der Erhebungen am provisorischen Bahnhof gut ersichtlich; dort waren während mehrerer Ortsbegehungen stets mehr Fahrräder als Autos abgestellt. Carsharing-Angebote werden von den Bürgerinnen und Bürgern zwar gewünscht, aber vergangene Erfahrungen zeigen, dass sich Carsharing-Angebote für freie Anbieter am Markt nicht gewinnbringend abwickeln lassen.

Das Mobilitätsmanagement umfasst den schulischen, betrieblichen und kommunalen Bereich. Als konkrete Maßnahme wird vom Planungsteam ein Stadtexperiment in der Bahnhofstraße zwischen Grutkamp und Dinslakener Straße vorgeschlagen, bei dem die Neugestaltung des Straßenraums mit zeitlicher Begrenzung erfolgen soll. Eine solche Maßnahme wird von den Anwesenden positiv gesehen. Zudem wird im Rahmen des schulischen Mobilitätsmanagements die Einrichtung eine Hol- und Bringzone an der Bahnhofstraße/Sternbuschweg vorgeschlagen. Damit wird es den Kindern ermöglicht die letzten 500 m zur Schule zu Fuß zurückzulegen. Um für die Kinder einen Anreiz zum Zufußgehen zu schaffen, wird vorgeschlagen, den Gehweg am Sternbuschweg als bespielbaren Weg zu gestalten; dabei müssen die Spiele so ausgelegt sein, dass kein Verweilen entsteht, sondern ein Vorankommen morgens zur Schule und mittags zur Hol- und Bringzone gewährleistet wird, z. B. Laufspiele und/oder Hüpfspiele.

Nach einem kurzweiligen Austausch und angeregten Diskussionen bedankte sich Herr Neßbach bei allen Anwesenden für die Teilnahme und die konstruktiven Hinweise und verabschiedete die Teilnehmenden pünktlich um 19 Uhr.

Trotz der umfassenden Ankündigung über Presse, soziale Medien und Plakate blieb die Teilnehmerzahl bei dieser Vor-Ort-Beteiligung leider gering. Die Voerderinnen und Voerder haben aber im letzten Jahr die digitalen Beteiligungsmöglichkeiten gut genutzt und sich auf der Beteiligungsplattform umfassend eingebracht. Wir danken allen vor Ort und/oder digital Teilnehmenden für die Hinweise, Ideen, Anregungen, Bedenken und Bewertungen. Alle Eingaben fließen in den Abwägungsprozess im Rahmen der Konzepterstellung ein, die in diesem Jahr abgeschlossen wird.

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Herr Wilhelm

Stadt Voerde (Niederrhein)
Fachbereich 6 - Stadtentwicklung und Baurecht
Fachdienst 6.1 - Stadtentwicklung, Umwelt- und Klimaschutz 

Rathausplatz 20
46562 Voerde

Telefon: 02855 80-451
E-Mail: nicholas.wilhelm@voerde.de

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